Der Stamm

Der untenstehende Text ist vom unserem Stammesgründer Christian für die Festschrift zum 40.-jährigen Jubiläum unserer Kirchengemeinde geschrieben worden.

Mut tut gut, ein kleiner Ruck ….. 

1989 entstand die erste Idee in der Kirchengemeinde Mariendorf-Ost mit christlicher Pfadfinderarbeit anzufangen. Es begann im Herbst ganz klein. Acht Mädchen und Jungen im Alter von 9-10 Jahren trafen sich einmal die Woche am Donnerstag für anderthalb Stunden.

Sie wollten gemeinsam Abenteuer erleben, auf Fahrt gehen, am Lagerfeuer sitzen, nicht in den Tag hineinleben, sondern etwas tun, anderen Menschen helfen, unsere Umwelt erhalten, sich für Schwächere einsetzen, Spaß und Freunde miteinander erleben, Freunde werden und in Gesprächen und Erlebnissen herausbekommen, wo und wie der christliche Glauben eine Orientierungshilfe für unser Leben sein kann.

Parallel dazu gab es seit dem Frühjahr eine Kindergruppe, die dann später die zweite Pfadfindergruppe wurde. Gemeinsam mit dem Kindergottesdienst und den Flötengruppen wurde die erste Fahrt geplant. Es ging zur Burg Rabenstein im Fläming. Mit einem bunt zusammengewürfelten Leitungsteam und 80 Kindern verbrachten wir herrliche Tage auf der Burg und lernten uns und unsere Stärken und Schwächen kennen.

Viel Zeit ist seit dem vergangen. Aus einer Gruppe wurden viele. Namen wie Wiesel, Stadtfüchse, Kobra, Courage, schnelle Pfeile, Seeadler, Sternschnuppen, blaue Adler und Wolfspfoten stehen für viel Erlebtes. Die Jungen und Mädchen des Anfangs studieren zum teil oder sind in der Berufsausbildung, haben ihren Zivildienst oder die Bundeswehr bereits hinter sich und leiten bereits eigene Gruppen oder sind in der Stammesleitung engagiert.

Erst einige Zeit später gab der Stamm sich den Namen  „Weiße Rose“.
Auf einem Namensgebungsfest 1993 wurde dieser Name für alle offiziell und die ersten Pfadfinder bekamen ihr blaues Halstuch überreicht. Stolz zeigten sie sich, als sie dann auf das erste Bundeslager des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder fuhren und sich in die große Gemeinschaft auf Bundesebene einleben konnten. Warum nennen wir uns Stamm „WEISSE ROSE“.

In der nationalsozialistischen Zeit gab es eine Gruppe von jungen Menschen um die Geschwister Scholl, die sich „Weiße Rose“ nannten. Sie erkannten deutlich Strukturen der damaligen Zeit, setzten sich gegen Unterdrückung und Rassismus ein und hielten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg.

Wir tragen diesen Namen, weil es auch heute nötig ist, offen gegen Unterdrückung einzutreten, Schwächeren beizustehen und Ungerechtigkeiten zu benennen, mit Engagement und Offenheit unsere Mitwelt lebenswert zu erhalten und Menschen mit ihren verschiedenen Ansichten und Meinungen zu respektieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Immer wieder lebt der Stamm davon, dass sich Menschen einbringen, ihre Fähigkeiten und Phantasien für alle erlebbar machen. Und so entstanden Lieder und Gedichte, wurden Gemeindefeste und Martinsmärkte vorbereitet und lebendig gestalte, Zeltlager und Fahrten ins Elbsandsteingebirge, nach Tschechien, in die Rostocker Heide und nach Bayern unternommen. Gruppen machten sich auf den Weg nach Dänemark und Schweden und die großen Bundeslager wurde für viele ein großes Erlebnis. In diesem Jahr zieht es die Pfadfinder ins Elsaß.

Auch äußerlich wollten wir zeigen, dass wir christliche Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind, und so tragen alle, die in den Stamm aufgenommen sind, ihr blaues Halstuch, eventuell ihr graues Fahrtenhemd oder auch die blaue Wolltuch-Juja. Und wenn wir auf Fahrt gehen, so nehmen wir meist nicht die kleinen Campung-Iglus mit, sondern bauen unsere schwarzen Kohten und Jurten auf, in denen man so gemütlich mit der ganzen Gruppe schlafen kann. Und wenn es einmal kalt wird, kann das Feuer in der Kohte alle Wärmen.
11 Jahre besteht der Stamm und hat so manches Auf und Ab erlebt. Viele Kinder und Jugendliche haben wichtige Erfahrungen für ihr Leben gemacht. Für einige kam auch der Punkt, dass sie erkannt haben, dass sie einen anderen Weg oder Pfad gehen wollten. Wir hoffen, dass unsere Pfadfinderarbeit Spuren hinterlassen hat, den Raum geboten hat für viele Beziehungen, Freundschaften und Erlebnisse und die Erfahrungen, dass solch eine verbindliche Lebensgemeinschaft viele tragen und bewegen kann.

 In diesem Sinne, Gut Pfad,
 Christian (2001)

Kommentare sind geschlossen