Vorurteile

Es ist immer das Gleiche: Erzählt man einem Nicht-Pfadi von seiner Passion, tun sich Abgründe der haltlosen Vorurteile, unsinnigen Assoziationen und Halbwahrheiten auf. Da wird man beispielsweise in schätzungsweise 80% der Fälle mit dem guten alten „Jeden Tag eine gute Tat“ konfrontiert *nerv*.

Hiermit möchten wir alle „Unwissenden“ ein wenig aufklären und Gleichgesinnten die Möglichkeit geben, auf Fragen die richtigen Antworten zu geben.

Der folgende (fiktive) Text ist eine durchschnittliche Aussage eines Nicht-Pfadis, mit Unwissen angereichert, wie sie wohl jeder von uns schon mal hören mußte:

Assoziationen eines Uneingeweihten:

„Pfadfinder – sind das nicht diese Bescheuerten, die immer im Wald rumlaufen? Naturverbunden (hähä!), zurückgeblieben und totale Technikhasser! Die sitzen doch auch immer am Feuer ‚rum und singen so komische Lieder. Wie Tick, Trick und Track vom Fähnlein Fieselschweif. Jeden Tag ’ne gute Tat, aber vor allem Ommas über die Straße helfen!
Uniformen haben die an – Wie beim Militär! Die haben doch auch immer so einen Führer und machen alles, was der ihnen sagt. Aber Gottseidank sind die ja schon fast ausgestorben!“

Natur:
 Bescheuert sind wir nicht, nur weil wir tatsächlich ganz gerne durch den Wald latschen. Und wir sind echt naturverbunden, aber das ist auch nur ein Teilaspekt der Pfadfinderei.

Technik:
 Wenn wir Technikhasser wären und alle nach 1750 erfundenen Errungenschaften der Menschheit verabscheuen würden, könntest Du mit Sicherheit jetzt nicht diese WebSite genießen!
Das wir auf Lagern keine GameBoys, Handhelds, Computer (äh…), Musikabspielgeräte aller Art (ääh…) oder Mobiltelefone *räusper* mitnehmen, versteht sich hingegen von selbst =).

Lagerfeuer:
 Ja, Lagerfeuer gehören zum Pfadfinderdasein wie Tschai und Halstuch.

Lieder:
 Für Nicht-Pfadfinder mag das befremdlich erscheinen, aber es ist so:
Pfadfinder singen oft und viel. Das Prozedere vollführt sich nicht nur am abendlichen Feuer mit begleitender Klampfe, sondern im Grunde ständig und überall.

Die tägliche Gute Tat: „Im Pfadfinderversprechen gelobt der Pfadfinder, (…) jeden Tag mindestens eine gute Tat zu tun.“

Schneider Kinderlexikon A-Z, S.233

Mal davon abgesehen, daß eigentlich jeder Mensch täglich irgendetwas Gutes tun sollte (wie z.B. alten Menschen über die Straße helfen), ist dem Autor dieser Seite kein schriftlich fixiertes Pfadfindergesetz in dieser Richtung o.Ä. bekannt.
Wenn jemandem diesbezüglich etwas Anderes bekannt sein sollte, ist sie/er hiermit aufgefordert, eine gute Tat zu tun und uns aufzuklären!

Uniformen/Miltär: 
Zuerst einmal: Die „Uniform“ wird bei uns „Kluft“ oder „Tracht“ genannt. Natürlich gibt es immer wieder kontroverse Diskussionen darüber, welche Bedeutung sie für uns hat und welche Parallelen man zur NS-Zeit und zum Militär der heutigen Zeit ziehen kann.
Fast immer ist das Ergebnis folgendes: Wir sind Pfadfinder und die Kluft ist dafür ein Erkennungszeichen nach außen.
 Adolf Hitler hat zugegeben einige Muster der Pfadfinderbewegung in der HJ übernommen (wie z.B. einheitliches Aussehen der Jugendlichen). Doch sollte man, wenn man diesen Vergleich zieht, nicht die ursprüngliche Idee von Baden-Powell, die hinter der Kluft steckt, vergessen: Als er im Jahr 1907 sein erstes Versuchslager mit 22 Jungen auf Brownsea Island veranstaltete, war seine Intention, die sozialen Unterschiede der Jugendlichen, die aus verschiedenen Volksschichten stammten, zu verdecken.
Im VCP wird niemand gezwungen, Kluft zu tragen. Viele tun dies aber dennoch, weil sie durchaus auf ihr Pfadfinder-Sein stolz sind oder weil sie unterwegs schlicht und einfach praktisch ist.
Der VCP distanziert sich außerdem explizit von rechten Tendenzen (laut Bundesordnung ist die Mitgliedschaft in einer rechten Vereinigung nicht mit der im VCP vereinbar und führt daher zum Ausschluß) und sieht Schwerpunkte seiner Arbeit in Demokratie, Internationalität und Friedenserziehung.

Fähnlein Fieselschweif: 
Tick, Trick und Track aus den bekannten Disney-Comics sind Mitglieder im „Fähnlein Fieselschweif“ und auch Pfadfinder. Dieser „Verbund“ ähnelt den deutschen Pfadis, speziell dem VCP jedoch nur sehr bedingt.
Da die Comics amerikanischen Ursprungs sind, wurden auch die dort verbreiteten „Boy-Scouts“ als Vorbilder für die Comicfiguren übernommen, die in den Augen vieler nur eine Vorstufe zur U.S.-Army sind.
Hierzulande sind Pfadfinderverbände weit weniger militaristisch. Es gibt weder Rangstrukturen noch Flaggenappelle oder Überlebenstrainings. Zwängeloser Spaß, die spielerische Auseinandersetzung mit Natur/Umwelt, Glauben, Kommunikation und Spaß stehen bei uns eindeutig im Vordergrund.

Führer/Authorität:
 VCP-Gruppen werden üblicherweise weder autoritär (wenig erklären, alles vorgeben, auf höherer Stufe stehen) noch im sogenannten „Laissez-faire“-Stil (franz.: laissez faire – machen lassen; bedeutet im soziologischen Sinn impulslos-passive Führung, also als Gruppenleitung wenig aktives Teilnehmen oder fehlendes Einbringen neuer Ideen in der Gruppe) geführt.
Die Gruppenleitungen streben vielmehr die „partnerschaftliche Leitung“ an, die Leitung nach den Prinzipien der pfadfinderischen Pädagogik: Schau auf das Kind, Learning by Doing, kleine Gruppe, Mitverantwortung des Einzelnen, Führung im Dialog, Fahrt und Lager und Internationalität.

… ausgestroben:
Eigentlich nicht. Es gibt

  • 47.000 junge und ältere Menschen, die Mitglied im VCP sind
  • 210.000 Pfadfinder in den deutschen Ringverbänden BdP, DPSG, PSG und VCP
und
  • etwa 35.000.000 Pfadfinder weltweit

Uneigentlich aber schon. Denn wir sind natürlich der Meinung, daß das viel zu wenig sind! =)

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